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Die Ursprünge der Familie Thun, die bis ins 12. Jh. urkundlich belegt sind, die in Legenden jedoch sogar mit dem Hl. Vigilius, dem Schutzpatron von Trient (4. Jh.), in Verbindung gebracht werden, liegen im unteren Valle di Non. Dort gibt es heute noch die mehrere Dörfer umfassende Gemeinde Ton und dort hatte die gleichnamige Pfarre ihren Sitz, die es
ab immemorabili gab. Der erste Familiensitz befand sich wahrscheinlich auf dem Dosso del Castelletto, wo heute das Kirchlein S. Margherita steht; nach Mitte des 13. Jh. wurde die Familie mit dem heutigen Castel Thun, das bis ins 15. Jh. als
Castrum Novesini oder Belvesini bezeichnet wird, belehnt.
Der Aufstieg der Thuns begann Anfang des 13. Jh. und beschleunigte sich im 14. Jh., einer Zeit großer Spannungen zwischen dem Fürstbistum Trient und der Grafschaft Tirol. Auch dank ihrer weitsichtigen Heiratspolitik kam die Familie Thun in den Besitz zahlreicher und bedeutender Rechte und Besitztümer im Valle di Non und im Valle di Sole; so erhielt sie u.a. Castel Bragher mit seinen Ländereien (1321-1322); die Güter der Altaguarda (1387); das Erbe der Caldes (1464: Castel Caldes, die Rocca di Samoclevo, eine Hälfte von Castel Cagnò, Castel Mocenigo, Castel Rumo, Castel S. Ippolito); die Gerichtsbarkeit über Castelfondo (Pfandlehen seit 1471); die bischöflichen Gerichtsbarkeiten Masi di Vigo, Tuenetto, Rabbi.
Im XV. Jh. konnten die Thun ihre Macht und ihre Besitztümer weiter steigern. Parallel dazu wuchs auch ihr Prestige: Im Jahr 1469 wurde ihnen das erbliche Hofamt des Mundschenks des Trentiner Fürstbistums verliehen und 1558 dasselbe Amt in Brixen. 1604 erhielten sie vom Kaiser Rudolf II. den Freiherrntitel.
Bis in die zweite Hälfte des 16. Jh. gelang es der Familie, ihr Vermögen ungeteilt zu bewahren, obwohl sich bereits mehrere Linien abgezeichnet hatten; danach nahm Sigismund (1537-1595), in seiner Eigenschaft als Senior der Familie, die Aufteilung der Güter in drei Teile vor. Nach einer langen und problematischen Transaktion, die durch die formelle Urkunde vom 9. April 1596 besiegelt wurde, bestätigte sich die Unterteilung in die drei Linien Castel Thun, Castel Caldes (1633 ausgestorben) und Castel Bragher.
Dieser zuletzt genannte Zweig wurde nach dem Tode Sigismunds unter dessen drei Söhnen erneut aufgeteilt: Johann Zyprian (1569-1631) erhielt die Gerichtsbarkeit über Castelfondo; Georg Sigismund (1573-1651) bekam Castel Bragher; Christoph Simon (1582-1635) erbte zahlreiche Besitztümer, aber keine Burg. Er wurde 1628 mit der Grafschaft Hohenstein und dem damit verbundenen Adelstitel (1629) belehnt, der später auch nach dem Verlust der Grafschaft (1642) auf die gesamte Thunsche Nachkommenschaft überging. Darüber hinaus schenkte er die in Böhmen erworbenen Güter Johann Zyprian, der Castelfondo verließ und sich jenseits der Alpen niederließ, wo er die böhmische Linie der Familie Thun gründete.
Im 17.-18. Jh. konsolidierten die Trentiner Linien der Familie Thun die Macht und den Reichtum ihres Hauses. Die zahlreiche Nachkommenschaft der Linie Castel Bragher gründete weitere Zweige: die sog. zweite und letzte Linie von Castel Caldes, die Linie Croviana, die Linie Castelfondo. Unter den vielen Persönlichkeiten, die im politischen, militärischen und kirchlichen Bereich hochrangige Positionen erreichten, sei nur Emanuel Maria aus der Linie Castel Bragher genannt, der in der schwierigen Zeit 1800-1818 in Trient das nur mehr kirchliche Amt des Bischofs bekleidete. Auch das Geschlecht von Castel Thun übte entscheidenden Einfluss auf die Trentiner Geschichte aus und stellte drei Fürstbischöfe: Sigismund Anton in den Jahren 1668-1677, Dominikus Anton 1730-1758 und Pietro Vigilio, der letzte Inhaber weltlicher und geistlicher Macht, von 1776 bis 1800.
Sigismondo Alfonso Thun (1621 - 1677)
Domenico Antonio Thun (1686 - 1758)
Pietro Vigilio Thun (1724 - 1800
Emanuele Maria Thun (1763 - 1818)